Bereits 1348/1349 leben Juden in Durlach (Judenverfolgungen im Zusammenhang mit der Pest, Deutzer Memorbuch)

1547: Markgraf Ernst I. nimmt Schutzjuden in Durlach auf
1672: Markgraf Friedrich VI. legt Bedingungen für die Schutzaufnahme fest, der Bau einer Synagoge ist nicht gestattet. Für die Zahlung eines Schutzgeldes erlangen Juden u.a. das Recht auf freie Religionsausübung.
1715: Markgraf Karl-Wilhelm von Baden-Durlach legt den Grundstein für die neue Hauptstadt Karlsruhe.
In die Stadt aufgenommen werden konnte man auch als Schutzjude gegen Zahlung von Schutzgeld Die Gemeinde errichtet eine Synagoge, eine Mikwe, ein Spital und einen Friedhof: Der erste jüdische Friedhof in Karlsruhe wurde 1723 am Mendelssohnplatz angelegt

Buchdruck

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts werden in Karlsruhe hebräische Bücher gedruckt. Erstes hebräisches Druckwerk, das in Karlsruhe hergestellt wurde, ist das 1755 gedruckte Korban Nathanael das Hauptwerk des damaligen Karlsruher Rabbiners Nathanael Weill.
Im ganzen sind 64 hebräische Drucke in Karlsruhe entstanden.
 

Synagogen

1798 wird mit dem Bau der Synagoge in der Kronenstraße begonnen, nach Plänen des berühmten Architekten Weinbrenner.
1806 wird die Synagoge eingeweiht.
1871 brennt die Synagoge Weinbrenners ab. An ihrer Stelle wird von Baurat Durm ein Neubau mit Chor und Orgel errichtet, der 1875 in Anwesenheit des großherzoglichen Paares eingeweiht wird. Über die Orgel kommt es zu einem heftigen Streit mit den Orthodoxen, die ihre G‘ttesdienste in Privathäusern abhalten. Daraufhin beschliessen diese den Bau einer eigenen Synagoge in der Karl-Friedrich-Straße.

Friedhöfe

"Gestörte Totenruhe..."

Die Geschichte und Entwick­lung der jüdischen Friedhöfe in Karlsruhe entspricht weitgehend jener der christ­li­chen Anlagen, da sie eng mit der Ausdehnung und Gestaltung der Stadt verbunden sind. 
Schon kurz nach der Stadt­grün­dung zogen Juden nach Karlsruhe. Der Privi­le­gien­brief des Stadt­grün­ders, Markgraf Karl Wilhelm, garan­tierte ihnen neben Schutz- und Bürger­rech­ten auch die Religi­ons­frei­heit.

Bereits 1723 wurde außerhalb der Stadttore, südlich des Landgra­bens beim Rüppurrer Tor, in der Nähe des heutigen Mendels­sohn­plat­zes, der erste jüdische Friedhof angelegt. Gegen ein entspre­chen­des Sterbegeld konnten dort nicht nur die Juden Karlsruhes, sondern auch die des Umlandes bestattet werden. Die neu gegründete Residenz nahm einen schnellen Aufschwung mit einer rasch wachsen­den Bevöl­ke­rungs­zahl. Durch die damit einher­ge­hende stetig anwach­sende Zahl jüdischer Bürger war der jüdische Friedhof bereits nach wenigen Jahrzehn­ten zu klein geworden. Bis ins Jahr 1794 wurde der Friedhof mehrmals erweitert. Die jüdische Gemeinde erwarb hierfür auch ein benach­bar­tes Areal, das bislang von den Bewohnern des "Dörfle" und von Soldaten als Kegelplatz genutzt wurde.

 Verlegung neben den Chris­ten­got­tesa­cker

Die fortschrei­tende Stadt­ent­wick­lung in südlicher Richtung setzte einer weiteren Vergrö­ße­rung des jüdischen Friedhofs spätestens ab 1804 eine Grenze. Jedoch konnte die jüdische Gemeinde, die zum Zweck des Straßen­baus, insbe­son­dere der Kriegs­straße, Gelände abtreten sollte, eine endgül­ti­ge Schließung des Friedhofs bis 1825 immer wieder verhindern. In diesem Jahr wurde der Gemeinde ein Ersatz­ge­lände in der Nähe des christ­li­chen Friedhofs, östlich des "Lohfel­des", der heutigen östlichen Kriegs­straße, zugewiesen, auf dem 1826 der neue jüdische Friedhof entstand.

1897 musste der alte jüdische Begräb­nis­platz auf Erlass des Großher­zogs und des badischen Innen­mi­nis­te­ri­ums zur Durch­füh­rung geplanter Bauvor­ha­ben im Rahmen der Stadt­er­wei­te­rung endgültig aufgelöst werden. Die jüdische Gemeinde konnte dies, trotz vehementer Hinweise auf das funda­men­tale jüdische Gebot der Unantast­bar­keit der Totenruhe, nicht mehr verhindern. 1897/1898 wurde der erste jüdische Friedhof aufgelöst und mit Zustimmung der Rabbiner die Exhumie­rung und Umbettung der Gebeine vorge­nom­men. Die sterb­li­chen Überreste von 904 ursprüng­lich auf dem alten jüdischen Friedhof Bestat­te­ten wurden auf den Friedhof an der Kriegs­straße überführt, zwanzig weitere auf den 1872 eröffneten jüdisch orthodoxen Friedhof beim Rintheimer Feld, heute Haid-und-Neu-Straße.

Auch die Fläche des zweiten jüdischen Friedhofes, an der östlichen Kriegs­straße, konnte mit der wachsen jüdischen Gemeinde nicht lang Schritt halten. Nach 70 Jahren wurde auch er 1896 geschlos­sen. Allerdings fanden hier in einzelnen Famili­en­grä­bern noch 1933 und 1935 Beiset­zun­gen statt. Während des Zweiten Weltkrie­ges wurde, neben Teilen der Mauer und mehreren Grabstei­nen, auch die Kapelle der Anlage zerstört. Die mit einer hohen Mauer einge­fass­te Fried­hofs­an­lage, wurde aufgrund ihrer kultur- und stadt­his­to­ri­schen Bedeutung in den 90er Jahre aufwendig saniert und gesichert. Besich­ti­gun­gen sind nur in Ausnah­me­fäl­len, mit Geneh­mi­gung der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe oder des Friedhofs- und Bestat­tungs­am­tes der Stadt Karlsruhe, möglich.

 "Fasse unsere Tränen in deinen Krug"
Die jüdisch orthodoxe Gemeinde ("Israe­li­ti­sche Religi­ons­ge­mein­schaft") hatte bereits 1872, noch währende der Planungs­phase des Haupt­fried­ho­fes an der Haid-und-Neu-Straße, ein benach­bar­tes Gelände auf der Rintheimer Gemarkung für die Anlage eines jüdisch ortho­do­xen Friedhof erworben. Die ersten Bestat­tun­gen der jüdisch orthodoxen Gemeinde fanden auf diesem mit einer Mauer einge­fass­ten Friedhof 1873 statt. In unmit­tel­ba­rer Nachbar­schaft, östlich dieses Friedhofs, wurde 1897 ein eigener Friedhof der jüdisch liberalen Gemeinde ("Israe­li­ti­sche Gemeinde") eingeweiht. Die gemein­sa­me Leichen- und Predigt­halle wurde bereits 1895 fertig gestellt. Bis heute gibt es diese beiden östlich neben dem Hauptein­gang des Haupt­fried­ho­fes liegenden jüdischen Friedhöfe. Nach 1945 fanden auf dem jüdisch ortho­do­xen Friedhof jedoch nur noch vereinzelt Beiset­zun­gen statt. Im Gegensatz zum allge­mei­nen jüdischen Friedhof, ist der jüdisch orthodoxe grund­sätz­lich öffentlich nicht zugänglich.

Auf dem allge­mei­nen jüdischen Friedhof befinden sich die Grabmale vieler bekannter jüdischer Karlsruher Mitbürger, die bis zur Machter­grei­fung der Natio­nal­so­zia­lis­ten in Karlruhe in kultu­rel­ler, wirtschaft­li­cher und politi­scher Hinsicht großes Ansehen genossen.
Westlich der jüdischen Fried­hofs­ka­pelle befindet sich das Grab von Otto Nachmann (1893-1961; linker Hauptweg), Präsident des Oberrates der Israeliten Badens von 1945 bis 1961 sowie das Grab seines Sohnes Werner Nachmann (1925-1988; linker Hauptweg), bis zu seinem Tode Präsident des Oberrates der Israeliten Badens, Vorsit­zen­der des Zentral­ra­tes der Juden in Deutsch­land und Vizeprä­si­dent der europäi­schen Sektion des Jüdischen Weltkon­gres­ses.

2001 wurde auf dem jüdisch liberalen Friedhof ein Gedenk­stein für die jüdischen Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus aus Karlsruhe errichtet. Die in deutscher sowie hebräi­scher Sprache gestaltete Inschrift der mit schwarzen Stein­qua­dern gefassten Gedenk­ta­fel verewigt die Namen aller 986 in Konzen­tra­ti­ons- und Vernich­tungs­la­gern getöteten jüdischen Karlsruher Mitbürger, um sie symbolisch wieder in die Stadt zurück zu holen und sich ihrer zu erinnern. In diesem Zusam­men­hang hat das Stadt­ar­chiv Karlsruhe die Bürger aufgerufen, sich auf die Spuren der Lebens­ge­schich­ten dieser Menschen zu begeben. Viele Biogra­phien sind inzwischen aus diesem Projekt entstanden.

Bis in die Zeit des 30jährigen Krieges hatte auch die alte Residenz Durlach einen jüdischen Friedhof, der nach seiner Zerstörung aber nicht mehr erneuert wurde. Die Durlacher Juden bestat­te­ten, wie zahlreiche andere Gemeinden der Region, ihre Verstor­be­nen auf dem großen jüdischen Friedhof in Obergrom­bach. So auch bis 1905 die kleine jüdische Gemeinde von Grötzingen. Zu jener Zeit erschloss man ein eigenes, 108 Quadrat­me­ter großes, Gelände außerhalb des Dorfes, im heutigen Wohngebiet "Am Liepold­sacker". Bis 1935 fanden auf diesem kleinen, heute noch beste­hen­den jüdischen Friedhof Beiset­zun­gen statt.